Chronik


Die Gründung des Freigerichter Heimat- und Geschichtsvereins wurde durch einen Beschluss vom 27. April 1978 der Freigerichter Gemeindevertretung auf den Weg gebracht. Den „Antrag zur Gründung eines Heimatmuseums in Freigericht und eines Heimat-und Geschichtsvereins Freigericht“ hatte die CDU-Fraktion gestellt. Er wurde von Lehrer Werner Korn erläutert und von allen Fraktionen einmütig beschlossen. Mit dem Beschluss erhielt der Gemeindevorstand unter Bürgermeister Franz Schilling den Auftrag, zusammen mit dem Ausschuss für Jugend, Sport und Kultur, die Gründung des Vereins voranzutreiben. Ein Vorbereitungsausschuss traf sich erstmals am 20.9.1978; dieser setzte sich zusammen aus Werner Korn (Vorsitzender), Alfons Betz, Dr. Andreas Eitz, Willi Neubauer und Heinrich Wegstein.

Bereits am 1. November 1978, an Allerheiligen, wurde im kleinen Saal der Freigerichthalle in Altenmittlau der Heimat- und Geschichtsverein bei 35 Anwesenden und 27 Stimmberechtigten gegründet. Fünf Personen hatten in Abwesenheit ihren Beitritt zu dem künftigen Verein erklärt. Als Versammlungsleiter fungierte Werner Korn. Der erste Vorstand des Vereins bestand aus dem Vorsitzenden Rudolf Kreis (Somborn), aus den gleichberechtigten Stellvertretern Heinrich Harth (Horbach) und Martin Pfeifer (Somborn), aus dem Schriftführer Hermann Hintz (Somborn) und dem Kassierer Alfons Betz (Bernbach).

Zu Beiräten wurden ernannt: Kurt Noll (Somborn), Engelbert Höfler (Somborn), Werner Korn (Horbach), Dr. Andreas Eitz (Somborn), Adolf Müller (Bernbach), Gunda von Savigny (Somborn), Hans-Otto Schmitt (Somborn), Georg Pfannmüller (Neuses) und Arnold Hufnagel (Altenmittlau).

Seither wurden in das Amt des/der Vorsitzenden folgende Personen gewählt:
1978 Rudolf Kreis
1982 Gunda von Savigny
1986 Ursula Schmitt
seit 1995 Horst Soldan

Die Betätigungsfelder des Heimat- und Geschichtsvereins sind, gemäß der Satzung des Vereins, in ihren Grundzügen bis heute gleich geblieben:

  • Das Traditions- und Geschichtsbewusstsein fördern
  • die Ergebnisse der Heimatforschung sichern und verbreiten und weiterhin Heimatforschung betreiben
  • die Freigerichter Bau-, Kunst- und Naturdenkmäler erhalten und pflegen sowie
  • weitere Impulse für den Fremden- und Naherholungsverkehr geben.

Aus der über 40-jährigen Geschichte des Heimat- und Geschichtsvereins sollen im Folgenden die wichtigsten Ereignisse und Tätigkeiten erwähnt werden:

Der Weg zu einem eigenen Heimatmuseum begann 1981 mit der Einrichtung eines Archivraumes in der Grundschule Somborn und 1985 mit einem vorläufigen Museum in der ehemaligen Schreinerei Simon in der Hauptstraße 24 in Somborn.

Mit der Genehmigung der Gemeinde konnten in dem schönen Fachwerkhaus „Alte Apotheke“ ab 1992 Ausstellungsräume von Vereinsmitgliedern hergerichtet und das Haus im Jahr 1996 als Heimatmuseum eingeweiht werden. Heimatmuseum und Archiv werden seither von Mitgliedern des Vereins betreut.

Während der Öffnungszeiten steht das Museum zum kostenlosen Besuch offen; auf Wunsch führt der Museumsleiter Gruppen durch die Ausstellungen.

Neben den bestehenden Dauerausstellungen wie z. B. Modell der ehemaligen Freigerichter Kleinbahn, Zigarrenindustrie im Freigericht, alte Berufe – werden jährlich eine oder zwei Sonderausstellungen gezeigt zu Themen aus unterschiedlichsten Bereichen.

Sonderausstellungen (eine Auswahl):

Zu Jubiläen in der Gemeinde Freigericht:

  • 975-jähriges Ortsjubiläum von Somborn (1999)
  • 825 Jahre Katholische Pfarrei Somborn (2009)
  • 50 Jahre evangelische Johanneskirche Somborn (2014)
  • 110 Jahre Musikverein Germania Somborn (2018)
  • 50 Jahre Großgemeinde Freigericht (2020)

Zu Themen aus Wirtschaft und Kunst:

  • Die ehemalige Freigerichter Kleinbahn (1999)
  • Zigarren aus Freigericht (2002)
  • Verschwundene Geschäfte in Somborn (2012)
  • Alte Berufe im Freigericht (2006)
  • Das Lebenswerk des heimischen Kunstbildhauers Edmund Weigand (2009)
  • Werke von Somborner Künstlern: Bildhauer Karl Kreis und Maler Franz Gutmann (2010)
  • Freigericht, wie es einmal war und nie mehr sein wird – mit Federzeichnungen von Bernhard Brückner

Zu Themen aus Geschichte, Archäologie und Geologie des Freigerichts:

  • Die jüdische Gemeinde von Somborn mit Vorstellung des gleichnamigen Buches von Mitglied Rudolf Schilling (2002)
  • Pfarrer Konrad Trageser aus Altenmittlau, Opfer der Naziherrschaft, und Sterbebilder der über 450 gefallenen oder vermissten Soldaten aus den beiden Weltkriegen (2005)
  • Bodenfunde von Freigericht (2003)
  • Mineralien und Koniferenabdrücke aus dem Zechsteindolomit des Altenmittlauer Steinbruchs (2005)
  • Freigericht aus der Vogelperspektive (2019)

Der folgende Rückblick zeigt die zahlreichen weiteren Aktivitäten der Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins:

Durchführung von Veranstaltungen zur „Pflege des heimischen Brauchtums und Dialektes mit „Freigerichter Babbelabenden“ in den Ortsteilen Altenmittlau und Horbach (1987), Bernbach (1988) und Somborn (1999) und des Freigerichter Abends mit Gedichten und Liedern aus dem Freigericht (2011). Ein Bildervortrag „Geschichten und Gedichte entlang der Birkenhainer Straße“ befasste sich mit dem bekannten Weitwanderweg von Hanau nach Gemünden.

Unterstützung bei der „Erforschung und Erhaltung von Natur- und Kunstdenkmälern sowie historischen Kunstwerken“ durch Mitwirkung bei archäologischen Ausgrabungen an der St.-Michaels-Kapelle in Horbach (1988), Arbeiten an der Burgruine Hüttelngesäß (1991) und Einsatz beim Landesamt für Denkmalpflege und bei der Gemeinde zur Erhaltung des Bodendenkmals im ehemaligen Dolomitsteinbruch in Altenmittlau (2020).

Mitwirkung bei der jährlichen „Gedenkfeier zur Pogromnacht 1938“ und Errichtung einer Gedenkstele für die Opfer der jüdischen Mitbürger von Somborn in Zusammenarbeit mit der Gemeinde (2002). Wanderung zu der Synagoge und den ehemaligen Wohnhäusern Somborner Juden und Vortrag über den Schüleraustausch mit Israel (2013). Mitwirkung bei geschichtlichen Angelegenheiten in der Gemeinde Freigericht.

Jährliche Tagesexkursionen zu kulturell sehenswerten Orten und Städten in der Region; außerdem in jedem Jahr eine etwa einwöchige Bildungsreise zu Städten in Deutschland oder in Europa. Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche Länder von Griechenland bis Schottland und von Spanien bis Russland (Italien sechsmal) besucht.

Seit 1986 erscheinen jährlich die „Freigerichter Heimatblätter“. Sie enthalten Beiträge von heimischen Autoren mit historischen Themen zur Freigerichter Region und Dokumentationen von Ergebnissen der Heimatforschung.

Jährlich gibt es etwa fünf Vorträge von Fachreferenten zu verschiedenen historischen, künstlerischen, gesellschaftlichen und landeskundlichen Themen.

Die Jubiläen zum 10-, 25- und 40-jährigen Bestehen des Heimat-und Geschichtsvereins wurden jeweils mit einer sehr gut besuchten Feierstunde begangen. Dabei wurde die Arbeit und das Engagement des Vereins von Vertretern aus Politik und Öffentlichkeit angemessen gewürdigt.

Der Heimat- und Geschichtsverein hat zurzeit 217 Mitglieder.

Quellen:
* H. Karlinger u. W. Korn, 1988: Chronik zum 10-jährigen Gründungsfest des Heimat-und Geschichtsvereins
* A. Eitz, 2003: Chronik zum 25-jährigen Jubiläum des Heimat- und Geschichtsvereins
* Archiv des Heimat-und Geschichtsvereins

Dr. Willi Müller, 10.März 2020

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